Plotting – In 15 Schritten zur Outline

Akt, Einleitung, Mittelteil, Finale, Climax, Wendepunkt, … alles Begriffe, die einem zumindest Respekt einflößen, wenn man daran denkt ein Buch zu schreiben. Obwohl man in der Schule sicher alles gehört und gelernt hat, will das beim Schreiben selbst nie so einfach von der Hand gehen – mir zumindest …

Deshalb ein Hoch auf Blake Snyder, der mit seinem Buch „Save The Cat!“ (HIER! bei Amazon*) das Verständnis für den Aufbau einer Geschichte entscheidend geprägt hat. Darin zerlegt er den klassischen 3-Akter in 15 kleinere Happen und ermöglicht so, schnell eine relativ übersichtliche Outline für die gesamte Story zu schaffen, die dann nur noch erweitert und niedergeschrieben werden muss.

Snyders so genanntes „Beat Sheet“ ist ein praktischer Leitfaden für die erste Konzeption einer Geschichte/eines Buchs und erleichtert mir selbst oft, Zusammenhänge zu verstehen und aus einer vagen Idee etwas Handfestes zu machen. Meine Version davon sieht so aus:

BEATBESCHREIBUNG
OPENING IMAGE „Eröffnungsbild“ – Hier wird die Ausgangsituation beschrieben, die Stimmung der „alten Welt“ eingefangen und ein Gefühl für die Größe der Geschichte vermittelt.
Beispiel: Schreibt man eine Kurzgeschichte über zwei Holzfäller, die sich im Wald in die Haare kriegen, sind Kenntnisse über die umliegenden 29 Königreiche und Vasallstaaten des Großkontinents Umblahrr’nkha für den Leser völlig irrelevant.
THEME „Thema“ – Einführung des Hauptthemas des Buchs, z.B. Verlust, sich beweisen, …; oftmals enthüllt eine Nebenfigur diesen „Ur-Wunsch“ (oder -Angst) des Protagonisten mit einer unangenehmen Frage, reißerischen Aussage oder heiklen Situation.
SET-UP „Aufbau“ – aufgebaut werden hier mehrlei Dinge: für die A-Story relevante Figuren werden vorgestellt, ebenso ihre „Ticks“ und mögliche Involvierungen in spätere Konflikte angedeutet, um sie im Laufe der Geschichte aufzulösen; und eventuelle Bedrohungen/Widersacher/Bösewichte werden zumindest angedeutet.
CATALYST „Auslöser“ – Startschuss für die Hauptstory der Geschichte, wie z.B. der Brief von Hogwarts in „Harry Potter“. Das Kartenhaus der „alten Welt“ bricht hier zusammen. Ein Augenblick verändert das Schicksal des Protagonisten für immer und gleich, ob das für ihn positiv oder negativ ist, ändern kann er daran nichts.
DEBATE„Debatte“ – Zweifel kommen auf und der Protagonist hadert mit der Entscheidung, dem „Ruf des Schicksals“ zu folgen. Danach gibt es kein Zurück mehr und Leser, wie Protagonist, wissen das.
Der Held muss jedoch eine bewusste Wahl treffen! Er ist kein Schaulustiger – er ist der Treiber der Geschichte und macht hier keine Mätzchen, wenn auch vielleicht nur ausnahmsweise … warum auch immer.
ACT 2Ein klar erkennbarer Wechsel des „Tons“ anhand der Entscheidungen des Protagonisten. Das Spielfeld verlagert sich – in „Herr der Ringe“ verlässt Frodo seine Heimat für eine Reise durch ganz Mittelerde – und bleibt instabil. An die Welt von Akt 2 sollte man sich nicht gewöhnen.
B-STORYEine neue, kleinere Storyline zur Auflockerung der Spannung – meist in Form einer Romanze. Sie kann außerdem andere (unerwartete, sympathische) Seiten des Protagonisten aufzeigen und soll das Thema der Geschichte stützen.
Sie wird in Akt 3 entscheidend zur Lösung des Hauptkonflikt beitragen!
FUN & GAMES„Spaß & Spiele“ – Zeit für etwas Action! Hier sollen die Erwartungen der Leser, die in Akt 1 geweckt wurden, großzügig erfüllt werden. Sie, aber auch die Charaktere im Buch, sollen genau hier richtig Spaß haben – GIB ALLES!
MIDPOINT„Mittelpunkt“ – an diesem ersten Höhepunkt wartet Sieg oder Niederlage auf den Protagonisten, aber beide sind trügerisch und von kurzer Dauer. Ab hier geht’s „um die Wurst“; es steht bereits eine Menge auf dem Spiel, aber die „Fun & Games“ sind nun endgültig vorbei …
Dieser Teil erstreckt sich bis zum dritten Akt.
BAD GUYS CLOSE IN„Die Fieslinge rücken an“ – das Böse formiert sich neu und schickt schweres Geschütz an die Front. Gleichzeitig beginnt das Team des Helden an ihrer Bürde zu zerbrechen.
ALL IS LOST„Alles ist verloren“ – Nomen est omen, würde ich sagen. Hier schaut’s für den Protagonisten (und, wenn vorhanden, sein Team) gar nicht mehr gut aus! Ein jähes Ende winkt ihm erwartungsvoll zu, alte Muster kommen zum Vorschein, jede Hoffnung versiegt.
Dieser Teil der Geschichte sollte im Gegensatz zum MIDPOINT stehen – war dieser für den Protagonisten positiv, muss es hier krachen … aber auch umgekehrt!
DARK NIGHT„Dunkle Nacht“ – ausgeschrieben „Dark night of the soul“, manchmal auch „black moment“ genannt, steht hier der Protagonist vor dem Abgrund; vor den Trümmern seines Feldzugs; den Scherben seiner Beziehung.
ACT 3Hier fallen A- und B-Story zusammen und ergeben eine Lösung für den Hauptkonflikt – YAY!
FINALEPARTYTIME! Jetzt bekommen die Widersacher (meist in aufsteigender Reihenfolge), was sie verdient haben, und der Protagonist triumphiert … hoffentlich.
FINAL IMAGE„Endbild“ – vielleicht der schönste Abschnitt einer Geschichte: die Welt aus dem „Opening Image“ hat sich verändert … der Protagonist hat sie verändert! Lass den Leser sehen, wie die „neue Welt“ ist, ob düster oder erleuchtet.

DORT PASSIERT WENIGSTENS WAS!

Einige dieser „Beats“ überlappen oder ziehen sich gar in kleinen Fetzen durch die ganze Geschichte. Oft ist es von Vorteil, nicht mehr zu erzählen, als an einem Punkt der Story nötig. Zum Ende hin sollten die Häppchen dann größer und, vor allem, schwerer verdaulich werden.

Entscheidend ist aber immer, die Erwartungen des Lesers zu enttäuschen. Unangenehme Twists machen Geschichten lesenswert! Deshalb tauchen wir so gern in diese Welten ein – „dort passiert wenigstens was!“

Im Gegensatz zum Alltag des Durchschnittsbürgers muss es in deiner Geschichte fetzig zugehen. Man will nicht lesen, was man um sich hat … der Leser bleibt dran, wenn er Außergewöhnliches erleben kann!

WUNDERMITTEL GIBT ES NICHT!

Das „Beat Sheet“ ist ein praktischer Leitfaden, aber kein Koch- oder gar Erfolgsrezept! Buchautoren sollten zudem bedenken, dass es in erster Linie für Drehbücher erstellt wurde und für weniger dramatische Genres höchstwahrscheinlich stark adaptiert werden muss. Dennoch könnte man es sogar als Struktur für Sachbücher anwenden … sagt man.

Zudem konnte ich in meiner Version nicht alle möglichen Genres abdecken, aber Snyders Leitfaden ist für jede Art von Story nützlich – versprochen! Damit lassen sich Romanzen ebenso plotten, wie Horror, Sci-Fi oder Fantasy-Epen. Möglicherweise wird’s bei Kochbüchern schwierig … aber man könnte es ja mal probieren!

( * keine Werbung, nur ein Tipp!)

2 Gedanken zu “Plotting – In 15 Schritten zur Outline

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